Das "Herzstück" der Firma ist völlig zerstört
Ein großer Teil der Produktionsanlagen der Firma ac-Folien wird von einem Großbrand vernichtet / Der Sachschaden
beläuft sich auf mehr als 20 Millionen Euro.
Gestern kurz nach 6 Uhr im Müllheimer Industriegebiet West: Eine Produktionshalle der Firma ac-Folien stand in
Flammen. Feuerwehren aus zahlreichen Gemeinden unterstützten die Müllheimer Kollegen. FOTO: GOEHR
MÜLLHEIM (mps/ukw). Ein Großbrand vernichtete gestern Morgen einen großen Teil der Produktionsanlage der Firma
ac-Folien im Industriegebiet West. Die Firmenleitung beziffert den Schaden auf über 20 Millionen Euro. Durch das
Eingreifen der Feuerwehren konnte eine weitere Produktionsanlage, die Verwaltung, die Druckerei, das Labor und der Versand
gerettet werden. Mehrere Personen wurden mit leichten Rauchgasvergiftungen in die Klinik gebracht. Eine Gefahr für die
benachbarten Gemeinden durch die Rauchgase bestand nicht.
Es war gegen 6 Uhr, kurz nach dem Schichtwechsel, als ein Feuer vermutlich durch auslaufendes Öl an einer
Produktionsmaschine ausgebrochen war. Während die Mitarbeiter versuchten, den Brand selbst unter Kontrolle zu
bringen, löste die Brandmeldeanlage Alarm bei der Müllheimer Feuerwehr aus.
Schon auf der Anfahrt war ein riesiger Feuerschein über dem Gebäudekomplex zu sehen, nachdem sich das Feuer
rasend schnell über das Dach ausgebreitet hatte. Sofort wurden weitere Feuerwehren zum Einsatz gerufen. Vor allen Dingen
Drehleiterfahrzeuge zur Bekämpfung über das Dach und Atemschutzträger wurden gebraucht.
Bis in den gestrigen Nachmittag waren die Wehrleute mit Nachlöscharbeiten an der ausgebrannten Produktionshalle
beschäftigt. FOTO: GOEHR
Im Minutentakt trafen Wehrleute aus Neuenburg und den Stadtteilen, aus Ihringen, Buggingen, Badenweiler, Auggen, Bad Bellingen, Schliengen, Bad
Krozingen, Heitersheim und von der Werksfeuerwehr Freudenberg ein. Parallel dazu kamen der Rettungsdienst und die Schnelleinsatzgruppe Markgräflerland
des DRK zum Einsatzort, die 14 Mitarbeiter der Firma ärztlich versorgten. Fünf davon wurden in die Helios-Klinik eingeliefert. Die Schnelleinsatzgruppen
der DRK-Ortsvereine aus Müllheim, Bad Krozingen und Kandern und weitere Helfer aus Neuenburg, Schliengen und Heitersheim betreuten die Feuerwehrleute, die
aus dem Einsatz zurückkehrten. Zeitweise waren rund 400 Helfer von Feuerwehren, Deutschem Roten Kreuz und Technischem Hilfswerk, das das verunreinigte Löschwasser
umgepumpt hatte, im Einsatz.
Umsichtig war das Vorgehen der Feuerwehren, wie die beiden Kreisbrandmeister Hansjörg Hagenbach und Gerhard Lai betonten.
Lob für den ausgezeichneten Einsatz gab es auch vom Ersten Landesbeamten des Landkreises, Helmut Unseld.
Bis in den gestrigen Nachmittag waren die Wehrleute mit Nachlöscharbeiten an der ausgebrannten Produktionshalle
beschäftigt. FOTO: GOEHR
Übergreifen der Flammen verhindert
Während auf der Westseite des Gebäudekomplexes, wo der Brand vermutlich ausgebrochen war, die Brandbekämpfung einsetzte, drangen weitere Wehrleute
ins Gebäudeinnere vor und verhinderten ein Übergreifen der Flammen auf die angebauten Gebäudeteile. Durch den massiven Einsatz konnten große Teile des
Firmenkomplexes gerettet werden. Gegen 10 Uhr war das Feuer unter Kontrolle. Sowohl Müllheims Bürgermeister René Lohs als auch seine Amtskollegen aus
den Nachbargemeinden Neuenburg und Auggen machten sich vor Ort ein Bild.
Da durch die Verbrennung von Kunststoffen mit gesundheitsschädlichen Schadstoffen zu rechnen war, wurden vorsorglich die in Windrichtung liegenden
Orte wie Neuenburg, Steinenstadt, später auch Schliengen und Auggen über Radiomeldungen und Lautsprecher aufgefordert, Türen und Fenster geschlossen
zu halten. Die Bewohner der Richtberg-Siedlung - etwa 45 Personen - wurden vorsorglich evakuiert.
Keine Schadstoffkonzentration
Sofort eingeleitete Schadstoffmessungen der Messgruppen der Feuerwehren Ihringen und Weil am Rhein sowohl in den Orten als auch bei den
benachbarten Firmen erbrachten aber keine messbaren Schadstoffkonzentrationen.
Die Mischanlage, in der das Kunststoffgranulat gemischt wurde, und eine der beiden Folienwalzmaschinen wurden bei dem Brand völlig zerstört, berichtet
der Geschäftsführer der ac-Folien, Gerhard Allgaier. "Um 6.20 Uhr stand bereits alles in Flammen", sagt Allgeier. Froh sei er darüber, dass kein größerer
Personenschäden zu beklagen ist. "Das hätte auch anders kommen können."
Für die Firma ist nun entscheidend, wie schnell die Brandstelle freigegeben werden kann, nachdem die Staatsanwaltschaft Freiburg und die Brandsachverständigen
der Polizei die Einsatzstelle zur Klärung der Brandursache beschlagnahmt hat. Das Herzstück des Müllheimer Werkes sei ruiniert, zieht Allgeier sichtlich
betroffen Bilanz. "Doch es geht weiter", zeigt er sich dennoch optimistisch, "in welchen Schritten, wird man sehen". Ein Teil der Kunden könne mit fertigen
Produkten beliefert werden. Die Firma ac-Folien ist Zulieferer von Folien zur Primärpackung von pharmazeutischen Produkten und beliefert pharmazeutische
Unternehmen in mehr als 60 Ländern.
Derzeit sind im Müllheimer Werk rund 160 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. 2001 wurde in den USA die ac-Folien of America, Inc. gegründet.
Diese Tochtergesellschaft betreut den amerikanischen Markt.
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