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  Das Herzstück der Firma ist völlig zerstört / Artikel aus der Badischen Zeitung vom 19.02.2004   

Müllheim

Badische Zeitung vom Donnerstag, 19. Februar 2004

Das "Herzstück" der Firma ist völlig zerstört

Ein großer Teil der Produktionsanlagen der Firma ac-Folien wird von einem Großbrand vernichtet / Der Sachschaden beläuft sich auf mehr als 20 Millionen Euro.

Gestern kurz nach 6 Uhr im Müllheimer Industriegebiet West: Eine Produktionshalle der Firma ac-Folien stand in Flammen. Feuerwehren aus zahlreichen Gemeinden unterstützten die Müllheimer Kollegen. FOTO: GOEHR

MÜLLHEIM (mps/ukw). Ein Großbrand vernichtete gestern Morgen einen großen Teil der Produktionsanlage der Firma ac-Folien im Industriegebiet West. Die Firmenleitung beziffert den Schaden auf über 20 Millionen Euro. Durch das Eingreifen der Feuerwehren konnte eine weitere Produktionsanlage, die Verwaltung, die Druckerei, das Labor und der Versand gerettet werden. Mehrere Personen wurden mit leichten Rauchgasvergiftungen in die Klinik gebracht. Eine Gefahr für die benachbarten Gemeinden durch die Rauchgase bestand nicht.

Es war gegen 6 Uhr, kurz nach dem Schichtwechsel, als ein Feuer vermutlich durch auslaufendes Öl an einer Produktionsmaschine ausgebrochen war. Während die Mitarbeiter versuchten, den Brand selbst unter Kontrolle zu bringen, löste die Brandmeldeanlage Alarm bei der Müllheimer Feuerwehr aus.

Schon auf der Anfahrt war ein riesiger Feuerschein über dem Gebäudekomplex zu sehen, nachdem sich das Feuer rasend schnell über das Dach ausgebreitet hatte. Sofort wurden weitere Feuerwehren zum Einsatz gerufen. Vor allen Dingen Drehleiterfahrzeuge zur Bekämpfung über das Dach und Atemschutzträger wurden gebraucht.

Bis in den gestrigen Nachmittag waren die Wehrleute mit Nachlöscharbeiten an der ausgebrannten Produktionshalle beschäftigt. FOTO: GOEHR

Im Minutentakt trafen Wehrleute aus Neuenburg und den Stadtteilen, aus Ihringen, Buggingen, Badenweiler, Auggen, Bad Bellingen, Schliengen, Bad Krozingen, Heitersheim und von der Werksfeuerwehr Freudenberg ein. Parallel dazu kamen der Rettungsdienst und die Schnelleinsatzgruppe Markgräflerland des DRK zum Einsatzort, die 14 Mitarbeiter der Firma ärztlich versorgten. Fünf davon wurden in die Helios-Klinik eingeliefert. Die Schnelleinsatzgruppen der DRK-Ortsvereine aus Müllheim, Bad Krozingen und Kandern und weitere Helfer aus Neuenburg, Schliengen und Heitersheim betreuten die Feuerwehrleute, die aus dem Einsatz zurückkehrten. Zeitweise waren rund 400 Helfer von Feuerwehren, Deutschem Roten Kreuz und Technischem Hilfswerk, das das verunreinigte Löschwasser umgepumpt hatte, im Einsatz.

Umsichtig war das Vorgehen der Feuerwehren, wie die beiden Kreisbrandmeister Hansjörg Hagenbach und Gerhard Lai betonten. Lob für den ausgezeichneten Einsatz gab es auch vom Ersten Landesbeamten des Landkreises, Helmut Unseld.

Bis in den gestrigen Nachmittag waren die Wehrleute mit Nachlöscharbeiten an der ausgebrannten Produktionshalle beschäftigt. FOTO: GOEHR

Übergreifen der Flammen verhindert

Während auf der Westseite des Gebäudekomplexes, wo der Brand vermutlich ausgebrochen war, die Brandbekämpfung einsetzte, drangen weitere Wehrleute ins Gebäudeinnere vor und verhinderten ein Übergreifen der Flammen auf die angebauten Gebäudeteile. Durch den massiven Einsatz konnten große Teile des Firmenkomplexes gerettet werden. Gegen 10 Uhr war das Feuer unter Kontrolle. Sowohl Müllheims Bürgermeister René Lohs als auch seine Amtskollegen aus den Nachbargemeinden Neuenburg und Auggen machten sich vor Ort ein Bild.

Da durch die Verbrennung von Kunststoffen mit gesundheitsschädlichen Schadstoffen zu rechnen war, wurden vorsorglich die in Windrichtung liegenden Orte wie Neuenburg, Steinenstadt, später auch Schliengen und Auggen über Radiomeldungen und Lautsprecher aufgefordert, Türen und Fenster geschlossen zu halten. Die Bewohner der Richtberg-Siedlung - etwa 45 Personen - wurden vorsorglich evakuiert.

Keine Schadstoffkonzentration

Sofort eingeleitete Schadstoffmessungen der Messgruppen der Feuerwehren Ihringen und Weil am Rhein sowohl in den Orten als auch bei den benachbarten Firmen erbrachten aber keine messbaren Schadstoffkonzentrationen.

Die Mischanlage, in der das Kunststoffgranulat gemischt wurde, und eine der beiden Folienwalzmaschinen wurden bei dem Brand völlig zerstört, berichtet der Geschäftsführer der ac-Folien, Gerhard Allgaier. "Um 6.20 Uhr stand bereits alles in Flammen", sagt Allgeier. Froh sei er darüber, dass kein größerer Personenschäden zu beklagen ist. "Das hätte auch anders kommen können."

Für die Firma ist nun entscheidend, wie schnell die Brandstelle freigegeben werden kann, nachdem die Staatsanwaltschaft Freiburg und die Brandsachverständigen der Polizei die Einsatzstelle zur Klärung der Brandursache beschlagnahmt hat. Das Herzstück des Müllheimer Werkes sei ruiniert, zieht Allgeier sichtlich betroffen Bilanz. "Doch es geht weiter", zeigt er sich dennoch optimistisch, "in welchen Schritten, wird man sehen". Ein Teil der Kunden könne mit fertigen Produkten beliefert werden. Die Firma ac-Folien ist Zulieferer von Folien zur Primärpackung von pharmazeutischen Produkten und beliefert pharmazeutische Unternehmen in mehr als 60 Ländern.

Derzeit sind im Müllheimer Werk rund 160 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. 2001 wurde in den USA die ac-Folien of America, Inc. gegründet. Diese Tochtergesellschaft betreut den amerikanischen Markt.


 
     
 
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